Publikationen

 

Auf vier Publikationen der Heinrich-Albert-Oppermann Gesellschaft soll besonders hingewiesen werden.


Christoph Suin de Boutemard (Hrsg.)

»Von Deutschen überhaupt«

Mentalitätswandel zwischen aufklärerischem Kosmopolitismus und Nationalismus

Oppermann-Studien. Beiträge und Dokumente zu Leben und Werk Heinrich Albert Oppermanns und zur Literatur und Geschichte des Vor- und Nachmärzes

Band 2

Europäische Literaturen hatten in der deutschen Frühromantik einen maßgeblichen Einfluss auf die Ausbildung eines europäischen-weltbürgerlichen Bewusstseins. Silvio Vietta untersucht diese Frage an Beispielen ausgewählter Schriftsteller und zeigt, wie infolge der Napoleonischen Kriege über eine Nationalisierung der Geistesgeschichte, insbesondere der Literaturgeschichte und Literaturkritik ein Begriff von Deutschheit entworfen wurde, der einen geistigen Vorherrschaftsanspruch Deutschlands in Europa begründen sollte und damit zu einem nationalen/nationalistischen Bewusstsein führte mit Ausgrenzungen von ganzen Bevölkerungsgruppen.

Gerhard Friesen zeigt in einer exemplarischen Quellenstudie das Schicksal eines ohne zugeschriebener deutscher Nationalität und „Heimat“ aus mehreren deutschen Staaten ausgewiesenen Juden, der ab den 1820er Jahren auf Grund seiner ethnischen Stigmatisierung in die Mühlen der Bürokratie und Diplomatie zwischen verschiedenen deutschen Staaten geriet. Heinrich Albert Oppermann vertrat ihn ab 1846 und durchschlug den circulus vitiosus – ohne Zuschreibung einer deutschen Nationalität keine „Heimat“ und somit Landesverweis, und wegen eines Landesverweises „heimatlos“-, indem er öffentlich zu Geldspenden aufrief und als pragmatische Lösung die Emigration in die USA organisierte. Vom gleichen Autor wird seine 1968 an der Johns Hopkins University angenommene Dissertation zum Werk Heinrich Albert Oppermanns erstmals in deutsch und mit aktuellen Hinweisen versehen vorgestellt. Diese Arbeit markiert gleichzeitig den Beginn der germanistischen-universitären Oppermann-Forschung.

In einer detailreichen Quellenstudie untersucht Boris Erchenbercher die Behandlung von Sinti und Roma im Königreich und der Provinz Hannover im 19. Jahrhundert seitens staatlicher Verwaltungen. Im administrativen Umgang mit dieser Bevölkerungsgruppe zeigt sich zwischen den Königreichen Hannover und Preußen ein differierendes rechtsgestütztes Verwaltungshandeln, was zwischen der Handlungsvorgaben der Sesshaftigkeit und einer Landesausweisung schwankte, und in der die betroffenen Sinti und Roma mutig und oft mit zeitweiligem Erfolg ihre Rechte einforderten.

Wilhelm Solms zeigt an ausgewählten Textbeispielen die Reflexion der Verfolgung und Vernichtung der Sinti und Roma in der Zeit der NS-Diktatur in den Dichtungen der deutschen Literatur nach 1945. Unterschwelliger bis offener Antiziganimus lässt sich bei vielen der untersuchten Autoren nachweisen. Anhand von Literaturbeispielen weist der Autor darauf hin, welche Schriftsteller in Zukunft im Schulkanon Berücksichtigung finden sollten.

Die im 19. Jahrhundert sich an rassistischen Kriterien orientierende Ausgrenzung ganzer Bevölkerungsgruppe fand in Deutschland ihren Höhepunkt in der Ermordung von Millionen von Juden sowie Sinti und Roma. Andreas Frewer untersucht in einem im Altertum ansetzenden und bis in die Gegenwart reichenden historischen Längsschnitt die Geschichte und Ethik des „Guten Todes“ und zeigt auf, inwieweit dieses Konzept für eine „Euthanasie“ im NS-Staat genutzt und missbraucht wurde.

Ernst Gottfried Mahrenholz geht der aktuellen Frage nach, inwieweit religiöse Toleranz eine Herausforderung an den säkularen Staat darstellt, wobei er den Schwerpunkt seiner Betrachtungen auf die islamisch-gläubige Bevölkerungsgruppe in Deutschland legt.

Günther Flemming beschreibt den Erwerb des Handexemplars von Oppermanns literarischem Hauptwerk, dem Roman Hundert Jahre (Brockhaus 1870), und der im Jahre 2000 erfolgten Rückführung der Bände nach Nienburg/Weser, den Ort der Romanentstehung zwischen 1863-1870.

»Von Deutschen überhaupt«

Mentalitätswandel zwischen aufklärerischem Kosmopolitismus und Nationalismus

Oppermann-Studien. Beiträge und Dokumente zu Leben und Werk Heinrich Albert Oppermanns und zur Literatur und Geschichte des Vor- und Nachmärzes, Band 2.

Röhrig Universitätsverlag, St. Ingbert 2009

Broschiert, 260 Seiten, ISBN 978-3-86110-456-8

Gedruckt mit finanzieller Unterstützung der Neuhoff-Fricke-Stiftung, Nienburg und des Landschaftsverbandes Weser-Hunte e.V., Diepholz.

Preis € 26,--

Mitglieder der Gesellschaft der Arno Schmidt Leser, der Johann-Gottfried-Schnabel-Gesellschaft und der Heinrich Albert Oppermann-Gesellschaft können diesen Band bis zum 31.5.2009 beim Kauf über die Oppermann-Gesellschaft zum ermäßigten Subskriptionspreis von € 22 inkl. Versandkosten (Deutschland) erwerben.


Christoph Suin de Boutemard (Hrsg.)

Heinrich Albert Oppermann.
Zivilgesellschaftliches Handels in historischer und aktueller Perspektive.

Oppermann-Studien. Beiträge und Dokumente zu Leben und Werk Heinrich Albert Oppermanns und zur Literatur und Geschichte des Vor- und Nachmärzes.

Band 1.

Das Lob für einen in den Zeitläuften fast Vergessenen war groß: als Autor des „einzigen politischen Romans der Deutschen, bester 1848er Jahrgang, eine <Eiserne Lerche> 1. Größenklasse“, so charakterisierte Arno Schmidt Leben und Werk des Schriftstellers, Publizisten, Juristen und vormärzliberalen Abgeordneten Heinrich Albert Oppermann (1812-1870). Und so widmet sich denn auch der erste Beitrag der neuen Oppermann-Studien einer von Schmidt verworfene Einleitung zu einem Oppermann-Essay. Robert Eugen Formanek zeigt, welche Funktion diese erst kürzlich edierte Einleitung im Schmidtschen Literaturprogramm erfüllte und warum er sie verwarf.

Vier Beiträge des kanadischen Germanisten Gerhard Friesen aus bisher unpublizierten Quellen belegen Oppermanns publizistische Leistungen im alten und neuen Kontinent vor und während der 1848er Revolution, und sie geben Hinweise auf das politische sowie zivil- und bürgerschaftliche Engagement Oppermanns, mit dem er zur Entwicklung hin zu einem Verfassungsstaat mit Demokratie und Menschenrechten beitrug. Die von Gerhard Friesens kommentierten Quellen zeigen auch, dass der politische Ideentransfer eines modernen, pluralistisch verfassten Gesellschaftsmodells bereits im 19. Jahrhundert von den USA nach Deutschland ausstrahlte, die USA mithin als Faszinationstopos und Projektionsfläche für anzuvisierende politische Ziele in Deutschland galten. Dieser Transfer kann als Teil der deutschen Parlamentarismus-geschichte angesehen werden. An Oppermanns hier erstmals parallel publizierten Wahlprogrammen an die Urwähler und Wahlmänner, an seiner publizistischen Wahlwerbung und anhand der Darlegung der Wahlabläufe 1847 zur Zweiten Hannoverschen Kammer und 1848 zur Frankfurter Nationalversammlung wird ein Einblick in die Abläufe und Schwierigkeiten des Wahlverfahrens gegeben, womit eine Quelle der frühen Parlamentarismusgeschichte Deutschlands aufgezeigt wird.

Welche Gefahren moderne, pluralistisch gestaltete Verfassungsstaaten in Zeiten internationalen Terrors drohen, wird in einer sozialwissenschaftlichen Analyse von Jan Philipp Reemtsma dargestellt, der belegt, warum diesen Tätern kein Motiv zu konzedieren sei, und dass bisherige Modelle der Gewaltbeschreibung nicht mehr ausreichen.

Heinrich Albert Oppermann.
Zivilgesellschaftliches Handels in historischer und aktueller Perspektive.

Oppermann-Studien. Beiträge und Dokumente zu Leben und Werk Heinrich Albert Oppermanns und zur Literatur und Geschichte des Vor- und Nachmärzes. Band 1

Röhrig Universitätsverlag, St. Ingbert 2007.

Broschiert, 244 Seiten, ISBN 978-3-86110-435-3

Gedruckt mit finanzieller Unterstützung der Neuhoff Fricke Stiftung, Nienburg und der Bürgerstiftung im Landkreis Nienburg/Weser.

Preis: € 26,--

Mitglieder der Gesellschaft der Arno Schmidt Leser, der Johann-Gottfried-Schnabel-Gesellschaft und der Heinrich Albert Oppermann-Gesellschaft können diesen Band bis zum 31.12.2007 beim Kauf über die Oppermann-Gesellschaft zum ermäßigten Subskriptionspreis von € 22 inkl. Versandkosten (Deutschland) erwerben.


Heinrich Albert Oppermann
Lesebuch

1996 ist im Auftrag der Oppermann Gesellschaft und mit finanzieller Unterstützung der Niedersächsischen Lottostiftung ein Lesebuch mit exzerpierten Texten Oppermanns herausgegeben worden.

Das mit Archivmaterial reich bebilderte Buch enthält:

  • Texte aus den frühen Schriften Oppermanns u.a. eine Schilderung der Göttinger Revolution von 1831 aus dem unter dem Namen Hermann Forsch (!)veröffentlichten Roman "Studentenbilder" und kritische Texte zum Geschehen an den deutschen Universitäten , besonders an der Universität Göttingen.

  • Texte über die Verfassungsauseinandersetzungen im Königreich Hannover von der bekannten Protestation der "Göttinger Sieben" aus Oppermanns "Geschichte des Königreichs Hannover" bis zu den pamphletistischen "Trostbriefen für Hannoveraner" aus dem Jahr 1866 , dem Jahr des Untergangs des Königreichs Hannover

  • Texte aus dem Hauptwerk Oppermanns , dem Roman Hundert Jahre. Arno Schmidt hob dieses Werk in seinem Radioessay als "einzigen politischen Roman der Deutschen" hervor. So wird auch die von Arno Schmidt gelobte dramatische Schilderung des Eisgangs auf der Weser in Hoya bis hin zu Oppermanns Gesellschaftsutopie "Amerika, das Paradies im Westen" vorgestellt.

    Die einzelnen Texte sind jeweils mit sorgfältigen Eingangserläuterung versehen. Oppermann aus heutiger Sicht wird durch zwei Textbeiträge von Friedhelm Rathjen und Guido Erol Ötztanil vorgestellt.

  • Friedhelm Rathjen : "Zwischen Utah und Hoya . Arno Schmidts Liaison mit Oppermann"

  • Guido Ötztanil : "Personalakte Heinrich Albert Oppermann"

    Eine synchronsynoptische Tafel zu Oppermanns Leben und politischem Umfeld sowie eine Bibliographie von Oppermanns Schriften schließen das Lesebuch ab

Wer sich einen Einblick in das vielfältige Werk Oppermanns und Motivation zum Weiterlesen verschaffen möchte, sollte zu diesem Lesebuch greifen.

Heinrich Albert Oppermann.
Unruhestifter und trotziger Demokrat.
Lesebuch

Postskriptum Verlag, Hannover 1996.

Leinen mit Schutzumschlag, 224 Seiten, ISBN 3-922382-72-X

Preis: € 10 inklusive Versandkosten (Deutschland)


Walter Jens
Nachdenken über das andere Deutschland

Am 3. Februar 1997 hielt Walter Jens in Nienburg im Rahmen einer Vortragsreihe der Oppermann Gesellschaft zu Themen des gesellschaftlichen Umbruches und des Widerstandes
einen vielbeachteten Vortrag mit dem Titel "Nachdenken über das andere Deutschland" und gab den Text zur Veröffentlichung frei.

Walter Jens erinnert an das andere Deutschland, das den Mord an Millionen Juden nicht verhindern konnte und dessen Wiederbelebung in der Zeit des Wiederaufbaus nach 1945 in Vergessenheit zu geraten drohte.

Walter Jens
Nachdenken über das andere Deutschland

Schriftenreihe der Heinrich Albert Oppermann-Gesellschaft zu Nienburg. Band 1.

J. Hoffmann-Verlag, Nienburg 1997.

Broschiert, 35 Seiten, ISBN 3-9802780-7-7

Preis: € 3,00 inklusive Versandkosten

Alle Publikationen sind zu beziehen durch:


Heinrich Albert Oppermann-Gesellschaft zu Nienburg
Neue Strasse 6
D-31582 Nienburg/Weser
Deutschland
E-Mail: suindeboutemard@gmx.de