Chronik

 

1812

Am 21. Juli 1812 wurde Heinrich Albert Oppermann als Sohn des Buchbinders Ludwig Oppermann in Göttingen geboren. Mutter: Catherine Rosine, geb. Meyern, Geschwister: zwei Schwestern, Konfession: evangelisch lutherisch.

1822 Ostern: Eintritt in das Göttinger Gymnasium.
1831

Abitur ( Maturitäts-Zeugnis zweiter Klasse ); am 20. April schrieb sich Oppermann als "der Philosophie Beflissener unter die Zahl der Studirenden" an der Philosophischen Fakultät der Georgia Augusta, der "Königlichen-Großbritannischen-Hannoverschen Universität", in Göttingen ein.
Im Wintersemester 1831/32 wechselte er zur juristischen Fakultät.

"Junger Freund ... Wissen Sie nicht, daß jeder Hannoveraner, der sich immatriculiren läßt und dadurch zu erkennen gibt, daß er dem Ungeheuer Staat seine Dienste leihen will, der Staatscontrole unterliegt? Vom Augenblick der Immatrikulation an werden Sie überwacht, es werden Personalacten über Sie angelegt."

Heinrich Albert Oppermann

Oppermann in jungen Jahren, 1842
1835

Gesuch des cand. jr. Heinrich Albert Oppermann um Zulassung zum
ersten Advokatenexamen.

1836/37

Erstes juristisches Advokatenexamen, Note: "Fast gut".
Praktische Ausbildungsphase bei den Göttinger Rechtsanwälten Dr. Krämer und Dr. Grefe. Es erschienen mehrere Artikel Oppermanns. Dreißig Jahre später beschrieb der Autor diese Korrespondenten-Tätigkeit in seinem autobiographisch geprägten Roman "Hundert Jahre":

"Dazu schrieb er für Gutzkow's "Telegraph" Charakteristiken der Sieben, er arbeitete für das "Jahrbuch der Literatur" von Gutzkow und war fleißiger Mitarbeiter an den Ruge=Echtermeier' schen "Jahrbüchern". So widmete er sich einer vielseitigen und ersprießlichen Thätigkeit, stets rührig und fertig, im Sommer mit der Sonne aufstehend, im Winter bis spät in die Nacht arbeitend."
Oppermann, 1853, Foto
1837 Am 24. Juni reichte Oppermann einen Antrag auf "Dispensation von der gesetzlichen Vorbereitungszeit" an das Königliche Kabinettsministerium in Hannover ein und bat um die vorzeitige Zulassung zum zweiten Staatsexamen.
1838

Zweites Staatsexamen.
Oppermann gehörte zu dem aktiven Kreis der Studenten um die Professoren der "Göttinger Sieben". Er machte ihre Protestation erst öffentlich, indem er sie kopieren ließ und innerhalb kürzester Zeit an deutsche Zeitungen verschickte. Ein Bericht aus der Personalakte Heinrich Albert Oppermanns vom 18. Februar 1838 beschreibt ausführlich das Treiben des inzwischen schon auffällig gewordenen Studenten:

Als die Protestation der sieben Professoren Dahlmann et Cons[orten] hieselbst gegen das Königliche Patent vom 1ten November d.J. bekannt geworden war, versammelten sich die hiesigen Studirenden, um jenen Professoren ein Vivat zu bringen.
[...] Offenbar hatte Oppermann sich den Studirenden angeschlossen, um sie aufzuregen und beabsichtigte sie nach Dierkings Erscheinen zur Widersetzlichkeit zu reitzen. Oppermann wurde des verbotenen Vivatrufens mit einer Geldbuße von 2 Thlr. bestraft. […] Oppermann [wurde] stets auf der Straße bemerkt und am 17ten Dezember d.J. sogar, während des Gottesdienst, in Gesellschaft von Studirenden beym Konditor Henz hieselbst getroffen. Nur die Absicht diese ferner aufzuregen kann bey seinem Charakter die Ursache dieses Treibens gewesen sein."
Die Göttinger Sieben:
Gervinus, Albrecht;
Ewald, Dahlmann, Weber;
W. Grimm, J. Grimm
1838/42

Bemühung um Zulassung als Advokat in Göttingen. Die Empfehlung
des Göttinger Polizeidirektors Beaulieu an das Justizministerium für eine Zulassung außerhalb Göttingens war eindeutig:

"Diese Maaßregel würde sich um so leichter ausführen lassen,
als die große Zahl der Advokaten hier und in den benachbarten Orten solches schon bedenklich macht. Am gefahrlosesten würde er ohne Zweifel in einer der nördlichen Provinzen des Königreiches seyn."

1842

Promotion; Niederlassung als Rechtsanwalt in Hoya / Weser. Nach
viereinhalb Jahren des Kräftemessens mit der Hannoverschen Regierung resignierte Oppermann. Der Wunsch, in Göttingen zu bleiben, wog letztlich geringer als der nach einer gesicherten Lebensperspektive:

"In diesem Zwitterzustande, der mir durch mancherlei kleine, sich aber häufig wiederholende Vorkommnisse des Lebens täglich unerträglicher wird, kann ich nicht länger bleiben - es ist mir Bedürfniß eine Entscheidung über mein Lebensschicksal zu erhalten ..."

Heinrich Albert Oppermann

Hoya, 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts, Merian-Stich
1844 Heinrich Albert Oppermann und Elise Blöde heirateten in Dresden.
1846 Ernennung zum Notar.
1848

Mit Enthusiasmus begrüßte Oppermann die März-Revolution.
Er wurde Präsident des Hoyaer "Volksvereins".
Oppermann scheiterte bei der Deputiertenwahl "der Hoyaschen Flecken" für die zweite Kammer der Hannoverschen Allgemeinen Stände-Versammlung. Er kandidierte für das Paulskirchenparlament in Frankfurt. Abermals unterlag Oppermann, diesmal nach einer Wahlmanipulation.

"In Göttingen, dem gedrückten, das die 1831 und abermals 37 ihm geschlagenen Wunden noch nicht wieder verschmerzen kann, hat es die Brutalität der Polizei abermals zu einem tragischen Ende gebracht."

Brief Oppermanns an Seidensticker
20. März 1848

Göttinger Studenten werden nach der Niederschlagung
der Revolution von 1831 aus der Stadt gewiesen
1849 Eystruper Treffen der Volksvereine: Oppermann war Mitorganisator
und Redner. Das Treffen sollte die Forderungen des Paulskirchenparlaments unterstützen.
1849-57 Deputierter in der zweiten Kammer der Ständeversammlung.
1852

Oppermann wurde Obergerichtsanwalt und Vizepräsident der An-
waltskammer in Nienburg. Fast hundert Jahre später recherchierte Arno Schmidt über den inzwischen so gut wie vergessenen Autor und notierte in sein Tagebuch:
"14:50 in Hannover im Archiv: Oppermann + Hoya (wenig Information)."

 

Nienburger Rathaus: Im Fachwerkhaus im Hintergrund war Oppermanns Kanzlei und Wohnsitz. - Federzeichnung von Otto Frärks
1853 Aufnahme in die Freimaurerloge "Georg zum Silbernen Einhorn"
in Nienburg.
1859 Gründung der Nienburger Schillerstiftung.
1862-66 Deputierter in der zweiten Kammer der Ständeversammlung.
1863 Oppermann gab das "Nienburger Wochenblatt" heraus.
1866

Annexion des Königreichs Hannover durch Preußen. Oppermann
verfaßte zehn "Trostbriefe für Hannover", die als Artikel in der "Kölner Zeitung" abgedruckt wurden:

"Und das alles ist wie über Nacht gekommen, wie ein Traum. Wir sollten nach der Meinung des Königs Georg mit ihm und dem Welfenhause vereint sein, bis der Herr der himmlischen Heerschaaren die Posaunen des jüngsten Gerichtes ertönen ließe, oder bis zum Ende aller Dinge.
Nun ist zwar nicht der jüngste Tag und das Ende aller Dinge, aber das Ende des Welfenreichs männlicher Linie gekommen, die weibliche Linie hat die männliche verdrängt und die Leine läuft ruhig ihren Gang, die Sonne steht nicht still, [...] und die getreuen Hannoveraner gehen nach Tivoli und Odeon, trinken in der Georgenhalle, in der Walhalla, der Zauberflöte und im Tunnel ihr Bier nach wie vor."

Georg V., König von Hannover,
1851 - 1866, Foto
1867-70 Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses für die Liberale Partei.
1870

Am 16. Februar starb Heinrich Albert Oppermann in Nienburg. Ab
Frühjahr erschien Oppermanns literarisches Hauptwerk, der Roman "Hundert Jahre, 1870 - 1870. Zeit- und Lebensbilder aus drei Generationen". In einem Brief vom 10. Dezember 1958 an Helmut Heißenbüttel schrieb Arno Schmidt über dieses Werk:

"Der Grund seiner absoluten Vergessenheit - oder präziser: seines Nie=Beachtetwordenseins - hat, wie es sein muß, diverse Wurzeln: a) es erfordert ein intensivstes Studium; denn es ist voller >Privataltertümer< und schrillst=aktuellster Historie / b) es erschien ausgerechnet im Sommer 1870 (und 8 Tage später schickte das Deutsche Reich sich an, eins zu werden - da gingen die Berichte vom Kriegsschauplatz vor. /c) […] aber ich werde den Teufel tun, und Ihnen hier jetzt schon alles erzählen!)."

Oppermanns Grabdenkmal mit dem Portraitrelief
von Ferdinand Hartzer; bis 1994 auf dem Friedhof
Verdener Straße in Nienburg.
Das restaurierte Oppermann-Denkmal steht heute in den Wallanlagen gegenüber dem Theater auf dem Hornwerk in Nienburg.